Die

Gruppe 77

Einige Produktionen der Gruppe 77 haben ihre Spuren im kulturellen Gedächtnis der Steiermark hinterlassen. Vor allem die Gruppenprojekte, bei denen sich die Mitglieder der Gruppe in intensiven Diskussionen auf ein gemeinsames Werk zu einem zeitgemäßen Thema einigen. Es ist ein Ringen, ein prozesshaftes Entstehen und verlangt zugleich die unbedingte Übereinstimmung, gemeinsam etwas schaffen zu wollen und die individuellen Ansprüche in Übereinstimmung mit anderen zu bringen. 

Zum Beispiel in der Aktion STILLE, entwickelt für den steirischen herbst 1979, bei der weiße Plakatflächen, leere Flächen in Zeitungen schon damals auf die von (Laut-)Zeichen überlasteten Kommunikations- und Informationsprozesse hinwiesen. Hans Bischoffshausen hatte einen Auftritt im CLUB 2 des ORF, bei dem er die versammelten Personen bat, zwei Minuten Stille walten zu lassen.

Ein weiteres Beispiel ist BLABLA, entwickelt 2002 für das Künstlerhaus Graz. Eine Blaue Blase, zugleich plastisches Großobjekt und mobiler Kunstraum, die über einen größeren Zeitraum an unterschiedlichen Orten in der Steiermark und im Ausland (Kroatien, Finnland) platziert wurde.

Oder „Das Verschwinden“, das 2004 wiederum das Thema Künstlerhaus aufgriff und sich auf die damals aktuelle Diskussion um das Künstlerhaus Graz bezog. Die Ausstellungmöglichkeiten der steirischen KünstlerInnen sollten und wurden schließlich auch weitgehend eingeschränkt. Die Gruppe 77 reagierte auf die Situation dahingehend, indem sie mit Hilfe von Kameras die unmittelbare Umgebung des Künstlerhauses zeitgleich auf seine Innenräume projezierte und somit das Künstlerhaus zum „Verschwinden“ brachte.

Insgesamt entwickelte die Gruppe 77 seit ihrem Bestehen 25 Gruppenprojekte.

Von 1985 bis 2006 verfolgte die Gruppe 77 ein langfristiges Projekt im öffentlichen Raum in Graz. Alljährlich, während der Sommermonate, wurden Plakatflächen künstlerisch bespielt. Mit „Kunst auf Zeit“ wurde der Dialog mit heimischen wie international renommierten KünstlerInnen angestrebt. Der Bildhauer Kurt Stadler konnte als Kurator im Jahr 2002 für die Plakataktion „flat public“ Manfred Erjautz, Sabina Hörtner, Michael Kienzer, Werner Reiterer, Petra Sterry oder Erwin Wurm gewinnen und 2003 für „Cadavre Exquis“, eine Koproduktion mit dem steirischen herbst, waren es Tracey Emin, Anna Jermolaewa, Pipilotti Rist, G.R.A.M. oder Klaus Schuster.

Die Gruppe 77 baut nicht auf einem Manifest, jedes Mitglied hat eine eigenständige künstlerische Position. Es stehen viel mehr, wie sich an den Beispielen zeigt, Zusammenarbeit, Vernetzung und Projektentwicklung im Dialog mit der lokalen wie der internationalen Kunstszene im Zentrum des Interesses. Dieser Arbeitsauftrag ist heute, da die Bedingungen für die Kunstproduktion zunehmend schlechter werden, von großer Bedeutung. Die Gruppe 77 kann zu einem Zentrum des künstlerischen Austausches werden, mit möglichst breit gefächerten Kontakten, um Projekte mit internationaler Reichweite zu entwickeln. Die Auslandsaktivitäten der Gruppe reichen von Zagreb bis Prag, von Ungarn bis Israel, von Deutschland bis Finnland. Wie im Projekt „Lichtwechsel“ für das Kulturhauptstadtprogramm in Turku 2011. In diesem Gruppenprojekt machte die Gruppe 77 den Austausch zum Inhalt der künstlerischen Arbeit.

www.gruppe77.at